these boots are made for wading – Teil IV: Der Bus

Miguel hatte in seiner Ausbildung schon mehrfach erfahren müssen, dass viele Maschinen in der Armee kurz vor dem Auseinanderfallen waren. Aber bislang hatte noch alles irgendwie zusammengehalten. Nicht so jetzt. Sie sollten von ihrer bisherigen Ausbildungsstätte in Roca del Sur nach Puerto Rojo verlegt werden. Damit kam er seiner alten Heimatstadt Puerto Verde wieder sehr nahe. Oder er wäre ihr zumindest nahegekommen, wenn ihr Mannschaftsbus nicht ein paar Meilen vor der Kaserne an Altersschwäche gestorben wäre.

Und ohne laufenden Motor funktionierte auch das eingebaute Funkgerät nicht, denn die Batterie hatte schon vor Längerem das Zeitliche gesegnet, wie ihnen der Fahrer erklärte. Die Straße auf der sie sich befanden, war zu allem Überfluss auch so ausgestorben wie es nur ging. Sie wussten zwar, dass auch die übrigen Ausbildungskompanien hier entlangkommen mussten, doch wann, wusste keiner von ihnen. Möglicherweise waren sie sogar die Letzten und alle Anderen waren bereits am Ziel. So weit sie sehen konnten, war jedenfalls kein anderes Fahrzeug zu sehen. Andere Kommunikationsmittel als das ausgefallene Funkgerät hatten sie ebenfalls nicht, persönliche Geräte waren schließlich nicht gestattet.

Da ihre Ausbilder allesamt mit einem anderen Bus abgefahren waren, gab es auch niemanden, der das Kommando über sie gehabt hätte um ihnen zu sagen, was zu tun wäre. Ihr Fahrer war zwar kein Rekrut mehr, doch als Angehöriger der Brigaden stand er nicht in ihrer direkten Befehlskette und war als einfacher Caballero ohnehin nur einfacher Soldat. Dieser beschloss daher für sich, auf jeden Fall beim Fahrzeug zu bleiben und einfach auf den Pannendienst zu warten. Nach einiger Zeit untätigen Herumsitzens im stehenden Bus brach dann schließlich die Diskussion unter den Rekruten darüber aus, ob sie nicht doch einfach zur Kaserne laufen sollten. Eine kleine Gruppe wollte jedoch wie der Fahrer einfach abwarten, eine nicht minder kleine Gruppe wollte dagegen unbedingt loslaufen. Die große Mehrheit verhielt sich wie eine Schafsherde und beobachtete, was die Leithammel entschieden.

Miguel realisierte erst mit einiger Verzögerung, dass es sich auf drei Beteiligte an der Diskussion heruntergekürzt hatte. Auf der einen Seite waren er und Luis, mit dem er sich seit der gemeinsamen Aktion an der Panzerkette angefreundet hatte, auf der anderen nur noch Manuel Acebes.

„Wir laufen jetzt gemeinsam los! Willst Du etwa auch auf den Schiffen zurückbleiben, wenn alle anderen in die Landungsboote steigen?“ forderte Luis sein Gegenüber heraus. Es brachte ihm bestätigende Lacher der Umhersitzenden ein. Miguel trat an den Fahrer heran und bat diesen, die Gepäckklappen zu öffnen. Gemeinsam stiegen sie aus dem Bus aus und der Caballero entriegelte die Staufächer unter dem Fahrgastbereich. Miguel griff hinein, holte den ersten Rucksack heraus, las das Namensschild und rief:

„Sanchez!“ Der Gerufene stand nur wenige Schritte entfernt und rauchte eine Zigarette. Mit den antrainierten Reflexen eines Rekruten warf er die Kippe zu Boden und kam herangeeilt ehe er begriff, dass es kein Vorgesetzter sondern nur ein einfacher Kamerad war, der ihn herbeigeordert hatte. Ebenso reflexartig fing er den Rucksack auf, als Miguel ihm diesen zuwarf. Bevor Sanchez protestieren oder sonst irgendetwas unternehmen konnte, hatte Miguel den nächsten Rucksack und rief:

„Alvarez!“ Von da an kam Bewegung in die Rekruten und diejenigen, die sich noch im Bus befunden hatten, verließen diesen nach und nach. Selbst Acebes nahm ohne weitere Widerworte sein Gepäck und setzte es sich auf.

Vom Busfahrer ließen sich Miguel und Luis den Weg zur Kaserne erklären. Schwierig klang es nicht und selbst von der Strecke her war es offenbar nichts, das sie nicht schon mehrfach in der Ausbildung bewältigt hatten. Ohne einen Befehl zu geben, liefen beide einfach los und die Übrigen folgten ihnen. Auch wenn keiner etwas sagte, hörten sie doch genervtes Aufstöhnen hinter sich. Luis drehte sich um und lief für ein paar Schritte rückwärts weiter ohne sein Tempo zu verringern. Es war tatsächlich außer dem Fahrer keiner zurückgeblieben. Und dieser stieg gerade wieder in den Bus.

„Vergesst nicht: Jede Feldration ein Festmahl! Jedes Gehalt ein Vermögen! Jeder Marsch eine Fußmassage!“ Das Lachen lockerte die Stimmung und tatsächlich ließen weniger die Köpfe hängen als zuvor.

„Jede Anlandung eine Strandparty!“ kam es von den hinteren Rängen zurück und wieder folgte Gelächter.

„Jeder Befehl ein Ich-liebe-Dich!“ Die Kreativität der Rekruten brachte noch eine ganze Reihe weiterer Sprüche dieser Art, die nicht selten auch in äußerst schmutzige Gefilde abwanderten.

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