3D-Gelände für BattleTech – Teil 2

Vorwort

Willkommen zu meinem zweiten Artikel zum Thema 3D-Kartenbau für BattleTech. Die ersten Teile dieser Serie sind größtenteils aus alten Newsletter-Beständen „recycled“. Damals kam es leider nicht dazu, die Serie fortzusetzen, weil es den Newsletter nicht mehr gab. Um die Serie auf der HPGstation.de sinnvoll fortführen zu können, also zuerst mal die „Wiederholung“ der aufgearbeiteten alten Artikel.

Zum ersten Teil der Serie geht es übrigens hier lang.

3D Overkill auf der RPC08 - andere Seite
3D Overkill auf der RPC08 - über 4m² BT-Gelände von der anderen Seite

Materialien zur Gestaltung

Nachdem das Grundmaterial feststeht und die ersten „Roh-Hexes“ fertig sind, geht es an das Gestalten des Geländes. Hier kann man sich reichlich austoben. Je nach Möglichkeiten und Ziel kann man sich aller möglichen Materialien bedienen. Das Feld behaupten werden vermutlich immer noch die bei den Grundmaterialien genannten drei. Nebenher sollte man die Augen offen halten und sich reichlich im Garten, Wald oder Park bedienen. Warum Moos simulieren, wenn auch Echtes irgendwo abkratzen, trocknen und aufleimen kann? Putzschwämme und Lappen geben zerrissen und zerschnitten übrigens auch tolle Gewächse ab. Zu Bergen wird später in den Praxisteilen noch einiges zu lesen sein. Man muss nur darauf achten, dass die Gestaltung weder zu filigran wird um den Spielbetrieb zu überstehen, noch zu üppig um den Einheiten den Platz weg zu nehmen, oder zu schwer (Steine und Metall) um sich gut transportieren zu lassen.

Die erwähnte Pappe kann übrigens überraschend gut für Gebäude genutzt werden. Wenn man sie nach dem Verkleben mit Leim bestreicht und bemalt, wird sie wirklich fest. Coole Vorlagen für gefaltete Gebäude finden sich zum Beispiel hier: http://sarna.net/files/index.php/media/cardstock/, aber auch an anderen Stellen im Netz.

Eingebunkert...
Eingebunkert... das grüne Hex von meiner Karte diente Shin als Vorlage für die Bunker an seinem Raumhafen.

Ein wichtiger Punkt sind Streumaterialien. Man leimt drunter, streut sie drauf, leimt eventuell noch mal drüber und schon hat man einen realistisch gestalteten Untergrund. Finger Weg von dem Zeug aus Bastel-/ und Modellbauläden. Der Kram ist einfach zu teuer. Am Besten geht entweder Sand den man irgendwo findet, oder „Vogelsand“ der in den meisten Supermärkten in der Nähe des Hundefutters zu bekommen ist. Für die Abwechslung kann man auch Kiesel von Wegen klauben. Für gröbere Streu, kann man entweder Split nehmen der im Winter gegen Glätte gestreut wird oder sich im Aquarienbedarf von der Auswahl erschlagen lassen. Es lohnt sich aber immer die Preise zu vergleichen.

Um Gras darzustellen gibt es so genanntes „Statikgras“ im Fachhandel. Das kennen sicherlich einige von der Base-Gestaltung. Meiner Meinung nach geht es was das Aussehen angeht kaum besser. Das Zeug ist zwar nicht billig, aber auch recht ergiebig (zwei Beutel haben für meine 500 [Anm.: Damals noch…] Hexes gereicht). Außerdem gibt es eben dieses Gras bereits auf Papiermatten aufgebracht und alle möglichen „gefärbten Sägespäne“. Die Matten sind nett, ich weiß aber nicht wie viel Arbeit es macht sie auf Hexes zu kleben. Die Sägespäne sind meiner Meinung nach nichts. Achja: Auch wenn es der Festigkeit wegen verlockend sein mag: Wenn man über das Statikgras noch einmal drüber leimt, sieht es nicht mehr halb so gut aus. Abhilfe gegen den stetigen leichten Grasregen schafft allerdings Klarlack, den man aus deiner Sprühdose dünn (!) über das fertig angetrocknete Gras sprüht.

Tanks aus Resten
Tanks aus Resten - nimmt man sie von den Hexen, hat man Rubble darunter.

Wenn man gedacht hat das Styropor hätte bei der Verarbeitung Dreck gemacht und genervt, dann hat man noch nicht mit Statikgras gebastelt. Staubsauger bereithalten, Zähne zusammen beißen und durch. Es gibt im Grunde keinen sauberen Weg.

Grundsätzlich schmeißen Geländebauer nichts weg. Man kann fast Alles noch irgendwie gebrauchen!

Kleber, Spachtel, Farben, … und das Werkzeug dazu.

Zuerst einmal: Wenn etwas dumm scheint und funktioniert, ist es nicht dumm. Der Handel bietet alle möglichen Spezialwerkzeuge und Lösungen an, die sich bei genauerem Hingucken für einen Bruchteil des Preises ersetzen lassen.

Außerdem ist es ratsam gleich heute damit anzufangen Blechdosen (diese Dosenöffner die den Falz aufschneiden ohne scharfe Kanten zu hinterlassen sind eine gute Sache), Gläser (mit Deckel), Plastikschüsseln (von Eis z.B.) und ähnliche Behältnisse zu sammeln, wenn man in absehbarer Zeit das Basteln anfangen möchte. Außerdem braucht man einen Berg Zeitungen zum Unterlegen, Abdecken, Abwischen, Anrühren… und dabei ist das Wort Pappmaschee noch gar nicht gefallen. Auch Plastiktüten zum Unterlegen und Kartons und Kisten als Lagermöglichkeit helfen Sauerei und Chaos zu minimieren.

Geselliger Bunkerbau auf der Kittery 2010
Geselliger Bunkerbau auf der Kittery 2010

Am Bastelplatz sollte man auf jeden Fall etwas sauberes Wasser für Unfälle und ein paar

Lappen und/oder eine Rolle Wischpapier zur Zwischenreinigung haben. Wie erwähnt ist auch ein Staubsauger eine gute Sache. Man muss natürlich aufpassen nur die richtigen Sachen einzusaugen. Ebenfalls immer gut ist es, einige Minis griffbereit zu haben, um die Größenverhältnisse jederzeit checken zu können.

Das meiner Ansicht nach absolut unentbehrlichste Klebezeug ist Holzleim. Ich kaufe im Regelfall den schnell trocknenden von Ponal. Nachfüllpackungen sparen Geld, ich würde beim Erstkauf aber in der Tat zur Flasche greifen, da dosieren und Nachfüllen aus den Beuteln schlecht geht. Natürlich kann man auch andere Leime nehmen. Kleben kann man damit sowohl Polystyrole als auch Holz als auch so ziemlich alles Andere. Das Zeug ist recht preiswert (unter 10 Euro für die 500 ml Flasche, Nachfüllbeutel sind billiger), gut zu verarbeiten und relativ ungiftig. Es ist wasserlöslich und trocknet pur relativ, 50:50 mit Wasser verdünnt völlig Farblos. Außerdem reicht verdünnter Leim natürlich länger und schont so den Geldbeutel. Leim hält am Besten unter Druck. Es gibt kleine Zwingen und Klemmen für Modellbauzwecke, ein paar Bücher helfen meistens aber besser (Zeitung oder Lappen dazwischen legen!).

Ebenfalls unentbehrlich für die Gestaltung von Oberflächen (Berghänge z.B.) oder zum schließen von Lücken ist Spachtelmasse. Die Fertigen sind zu teuer, die Marken meiner Ansicht nach für Geländebauzwecke (!) nicht besser als die Billigen. Nach Anleitung mit Wasser anrühren (lieber zu wenig Wasser – zugeben geht noch, wieder rausholen wird schwer), immer nur so viel machen wie man auch braucht und die offenen Pakete trocken lagern. Dann kommt man eine ziemliche Weile hin. Es gibt Gummischalen für Gips und Spachtelmasse. Wenn der Inhalt getrocknet ist, kann man die Schale etwas kneten und so den Inhalt herausbröseln. Als Spachtel eignen sich durchaus Pappstücke. Besser gehen schon Plastik- oder Metallspachtel aus dem Handel. Hier lohnt es sich auf Angebote zu achten und in die Grabbelkisten zu schauen. Metallspachtel rosten übrigens und Plastikspachtel gehen mit der Zeit schnell kaputt.

Für Kleinzeug das ich sofort an Ort und Stelle haben will, nehme ich Sekundenkleber. Den werden sicher alle Minibesitzer griffbereit haben. Auch hier auf Wasserlöslichkeit achten, wenn man mit Kunststoffen wie z.B. Polystyrolen arbeitet. Ansonsten wissen sicher alle selbst, dass das Zeig teuer ist, sparsam verwendet werden muss und an der Haut noch besser klebt als überall sonst.

Um Pappe auf Papper zu kleben, ist Leim zwar geeignet, klassischer Bastelkleber geht aber besser. Auch Klebestifte haben hier ihren Platz, vor Allem bei den oben erwähnten Pappgebäuden.

Sprühkleber sparen zwar einerseits Zeit, andererseits sind sie nicht auf Wasserbasis zu bekommen (wenn schon: eMail an mich). Was das bedeutet, dürften die Meisten inzwischen wissen. Ansonsten gilt für das Zeug das Gleiche wie für Sprühfarben.

Freunde haben gute Erfahrungen mit Knete oder Bastelknete (Fimo, Green Stuff) gemacht. Ich kann dazu nichts sagen, außer das man sich vorher die Gebrauchsanweisung durchlesen und zur Übung rumprobieren sollte.

Die Bunker von vorhin im Einsatz
Die Bunker von vorhin im Turnier-Einsatz. Die Meisten "just in Time" in der Nacht zuvor gebastelt. Die Farbe war gerade so getrocknet...

Farben sind ein großes Thema. Die Farben die man für Minis benutzt sind simpel zu

teuer. Tuschkästen funktionieren bemerkenswert gut und sollten für den Anfang reichen, wenn man so was noch liegen hat oder den Kindern abziehen kann. „Voll- und Abtönfarbe“ aus dem Baumarkt klappt bestens. Wichtig auch hier die Wasserlöslichkeit, einerseits wegen der Chemie (Stichwort: „geschmolzene“ Polystyrole), andererseits weil so Pinsel, Flecken usw. mir Wasser ausgewaschen werden können. Sprühfarben sind toll (wenn auf Wasserbasis), sparen aber weniger Zeit als man oft denkt, zumal wenn man vorher den Ort wechseln muss (wegen der Belüftung).

Zwei-Komponenten-Kleber sind beim Geländebau mit Kanonen auf Spatzen geschossen. So fest muss es meistens nicht. Mit Gips, Pappmachee und Gussmitteln wie Resin habe ich keine Erfahrung. Alles in Allem macht das aber viel Dreck und ist eher was für „Profis“ als für Anfänger.

Gestaltungsmittel kaufen oder selber machen?

Der Handel stellt eine Unmenge an tollen Möglichkeiten zur Verfügung, sich beim Geländebau zu verschulden. Meistens steht man vor der Wahl entweder Zeit oder Geld zu investierten. Modellbaubäume in passender CBT-Größe sind zum Beispiel nicht besonders teuer, aber auch ungleich preiswerter selbst herzustellen. Wie das Ergebnis rein äußerlich aussieht, ist natürlich eine andere Frage. Es lohnt sich sehr, im Vorfeld auszuprobieren was man selber machen möchte und was man lieber kauft. Tutorials für Bäume finden sich z.B. auf den oben angegebenen Internetseiten. Ich würde mich aber nicht hinsetzen und welche basteln, wenn ich sie für 50 Cent das Stück im Modellbauladen oder noch billiger bei eBay bekomme. Andere Leute mögen das anders sehen. Bei Masten für Funk oder ähnliches, sind mir die Angebotenen (wenn sie auch noch so toll aussehen) viel zu teuer. Manchmal muss man aber auch einfach unvernünftig sein. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

Wie weit willst Du gehen?

Con-Ausrüsung inklusive 3D-Karte
Con-Ausrüsung inklusive 3D-Karte

Letztlich sind bei einer 3D-Karte nicht nur das Aussehen sondern auch die Stabilität und die Spielbarkeit wichtige Kriterien. Immerhin will man die Sachen zu Freunden und auf Cons schleppen, damit wird gespielt, sich drauf aufgestützt und drauf gewürfelt. Man sollte es also nicht übertreiben. Immerhin können wir auf Papierkarten auch mit Symbolen leben. Eingefurchte, mit Wassergel oder Ähnlichem gestaltete Flüsse sehen mit unter atemberaubend aus. Blau gemalte Hexes tun es aber auch. Der Idealfall liegt sicherlich irgendwo dazwischen.

Eigene Möglichkeiten

Egal wie man es dreht, man braucht einen Platz zum Arbeiten und später einen Platz um das Gelände zu lagern. Basteln macht Dreck, es ist ein Haufen Arbeit hinterher immer wieder aufzuräumen und einfach liegen lassen gibt schnell Ärger mit Mitbewohnern. Vor Allem Eltern und Freundinnen oder Ehefrauen… Der Hobbykeller oder ein eigener Bastelraum ist super, im Sommer ist ein Schuppen oder Gartenhaus sicher auch toll, der Spielraum (wenn dieser Luxus vorhanden) wird in der Bastelzeit nicht bespielbar sein, das Schlafzimmer ist meistens Tabu wenn man ein Sexualleben hat das dort stattfindet und das Wohnzimmer nur eine Option wenn man alleine wohnt. Bei allen die sowieso nur ein Zimmer haben (so wie bei mir), ist Organisationstalent gefragt. Toll ist natürlich Teambasteln, wobei man den ganzen Dreck und Mist einfach bei einem „Freund“ lassen kann. Dumm wenn man selber dieser „Freund“ ist.

Falls man Sprühfarben oder –kleber benutzt, braucht man eine ausgezeichnete Belüftung oder sollte sich besser gleich nach draußen begeben. Jedenfalls wenn das Wetter mitspielt. Sich über so was vor dem Bastelbeginn Gedanken zu machen spart viel Ärger.

Alles in Allem sollte man nicht nur versuchen andere zu kopieren. Wer die Möglichkeit hat Metall oder Kunststoff zu verarbeiten, sollte sich an das halten was er kann und nicht versuchen mit anderen Materialien zu arbeiten, nur weil andere das auch so gemacht haben.

Zum Abschluss

Schon wieder ein 3D-Glände auf der Kittery 2010
Ein 3D-Glände auf der Kittery 2010

Es wird viel, viel länger dauern als gedacht oder geplant. Außerdem wird es nie von vorne bis hinten so klappen wie gewollt und garantiert mehr kosten. So oder so kann ich aber aus eigener und fremder Erfahrung sagen: Der Aufwand lohnt sich.

Und bitte, wenn ihr etwas gebastelt habt, dann lasst andere daran teilhaben indem ihr Fotos vom Basteln macht, Tutorials schriebt oder dazu in Foren postet. Community und so. Eine gute Möglichkeit ist diese neue Seite da… wie heißt sie noch? Ach, da oben steht’s: HPGstation.de. 😉

Demnächst geht es dann weiter mit dem ersten Tutorial.

4 Antworten auf „3D-Gelände für BattleTech – Teil 2“

  1. Auch Teil 2 ist wieder Klasse geschrieben, Respekt Wallace.
    Du gehst wirklich ins Detail und erklärst nicht nur was Ihr gebastelt habt, sondern auch warum und wie genau man vorgehen sollte. Für Leute, die schon immer mit der Idee spielten, eigenes 3D-Gelände zu erstellen, wird’s nach der Lektüre Deiner Artikel deutlich leichter werden, dies auch umzusetzen.
    Inhaltlich kann ich Dir größtenteils Recht geben. Wir haben natürlich auch Bastelkleber benutzt, die diversen Streu’s ausprobiert etc.
    Wie weit willst Du gehen?
    Das ist ein großer und wichtiger Punkt! Jeder sollte sich vor Beginn darüber klar sein, dass man während der Arbeiten jede Menge Platz braucht, Dreck macht uns es stinken wird. Auch an die Lagerung der Platten sollte man einen Gedanken „verschwenden“ und nicht zu vergessen, der Transport.
    Vom Zeitaufwand abgesehen wird mit jedem Schritt weiter in die Richtung „hübsch“ der Geldaufwand stark ansteigen. Also kalkuliert großzügig Euer Zeit- und Finanzbudget 🙂

  2. Danke für die Blumen. 😉
    Viele Leute wissen scheinbar nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Dabei ist es recht einfach: Mal drüber nachdenken was man will, raus finden wie man es erreichen kann und dann ein paar Dinge ausprobieren… angefangen hat wirklicher jeder Mal.

  3. BTW: Alle die was im Pio-Massstab gebaut haben und dieses Jahr zur Kittery kommen, sollen das mal mitbringen. Dann haben wir Pio-Land, Wallace-Land und Shin-Land. Mike hat meine ich auch mal was in „unserem“ Maßstab gebaut. Keine Ahnung ob das kompatibel wäre… aber das wäre mal eine Karte, wenn wir alle zusammen schmeißen. 😀

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