Im Schatten des Krieges – Teil III.

Lucas Cunningham

Im Schatten des Krieges

Teil III

 
 
 
New Montenegro
San Martin
 
 

Der Morgen graute.

“LEGT AN … Ziel aufnehmen … FEUER!”

Sieben TK Sturmgewehre bellten einmal auf. Die Wand hinter dem ehemaligem Marquis von San Martin färbte sich rot.

Der tote Körper landete unter dem von den Wänden des Innenhofes zurückgeworfenen Schalls geräuschlos auf dem Granitboden.

Ein roten Fleck breitete sich aus.

Marquis Ramon Yu blickte auf seinen eben verschiedenen Cousin hinab und nickte huldvoll: “Colonel, Sie können Ihre Leute wegtreten lassen.”

“Sire.” Garibaldi blickte seinen Command Sergeant Major kurz an.

“Freicorps WEGGETRETEN!”

Die angetretenen Offiziere und Mannschaften der Söldnertruppe zerstreute sich.

“Na endlich, Frühstück.” Murrte Steuben.

“Irgendwie hab ich keinen Hunger mehr.” Meinte ein junger Leftenant, was diesem nur einen verächtlichen Blick von seitens des Majors einbrachte.

Garibaldi hingegen folgte Yu.

“Ein wunderschöner Morgen um mit einer leidigen Angelegenheit abzuschließen. Meinen Sie nicht Colonel?” Der Marquis sog die blutgeschwängerte Morgenluft ein.

“Ich bin mir da nicht so sicher.” Der Söldnerkommandant beobachtete die Journalisten, die von den persönlichen Sicherheitskräften des Marquis weggeführt wurden.

“Mein lieber Garibaldi, Sie sind sich nicht nur nicht sicher, Sie sind ganz und gar nicht meiner Meinung.” Stellte Yu fest.

“Ihre Intention kann ich durchaus verstehen, doch bin ich nicht wirklich mit der Durchführung Einverstanden, beziehungsweise mit deren Außenwirkung. Wenn Sie Ricardo unbedingt hätten tot sehen wollen, hätte Sie ihn einfach verschwinden lassen oder am besten Deportiert.

Dann hätten Sie einen oder zwei Auftragskiller auf ihn angesetzt und das Problem wäre ebenso erledigt, ohne dass Sie hier an Popularität einbüßen würden.”

“Sehen Sie mein lieber Colonel, ich wollte ihn tot sehen, mit eigenen Augen. Außerdem wird die Geschichte gnädig mit mir sein, ich habe vor sie selbst zu schreiben.”

Die beiden Männer blickten sich gegenseitig in die Augen.

Garibaldi ein bulliger, Mann mit dem typischen Bulldoggengesicht eines Unteroffiziers, die Haare eine vorbildliche Bürste. Yu hoch aufgeschossen, etwas mager, perfekter Haarschnitt, weiche gepflegte Hände. Er hatte eine gewissen Ähnlichkeit mit Steuben, welcher seinen Cousin wohl höchstpersönlich erschossen hätte, wenn er in Yus Lage gewesen wäre.

“Winston Churchill.”

“Sire?”

“Der sagte das einst, ist schon lange her.” Yu wandte sich ab und ging in den Palast.

Garibaldi blickte ihm nach und schüttelte den Kopf: “Ich hätte jetzt auf Amaris getippt.” Dann wandte auch er sich ab und ging zur Offiziersmesse.

Wie Steuben verdarb Blut ihm ebenfalls nicht den Appetit, schon seit Jahren nicht mehr.

Rührei, Würstchen, Speck und Toast auf dem Teller gehäuft setzte er sich zu dem Kommandeur seines zweiten Mechbataillions.

“Und Felix, was halten Sie von unserem kleinen Schauspiel?” Wollte der Colonel wissen.

Steuben, der sich gerade ein Stück Pfannkuchen mit Ahornsirup in den Mund geschoben hatte, kaute genüsslich zu Ende: “Lästig und diese Unzeit hat mich schon immer gestört. Erschießung bei Morgengrauen. Ich hatte heute noch nicht mal Zeit für eine Tasse Kaffee.”

“Hätten Sie nur früher aufstehen müssen.” Marisha Steel blickte von den Resten ihres kargen Frühstücks auf.

Steubens Stellvertreter lachte: “Der und früher aufstehen? Vergessen Sie es Risha, da muss schon wirklich was wildes passieren. Gibt es da nicht die Gesichte, wie Sie auf der Akademie den Übungsalarm verschlafen haben Major?”

Der Major verzog das Gesicht.

“Wer würden Sie sagen, hat: ‘Die Geschichte wird gnädig mit mir sein, denn ich habe vor sie selbst zu schreiben’ gesagt?” Wollte Garibaldi wissen.

“Yorinaga Kurita.” Meinte George McKenzie.

Von Steuben kam: “Hanse Davion.”

“Ich hätte auf Stefan Amaris getippt”, meinte der Colonel.

Steel zog scharf die Luft ein. Wie alle Claner reagierte sie auf den Namen Amaris allergisch.

“Felix, ich möchte dass Sie mir einen Operationsplan ausarbeiten, um unsere Freunde die Rangers endlich auszuräuchern.”

“Was habe ich zur Verfügung?”

Garibaldi überlegte kurz: “Ihre beiden einsatzfähigsten Kompanien, je eine Kompanie Infanterie und Panzer sowie vier Luft-/Raumjäger.”

Dem altgedienten Söldneroffizier war nicht ganz wohl dabei Steuben soviel Leine zu lassen, doch brauchte man bei Kontraguerillaeinsätzen dessen kaltblütige Ader.

“Alles klar, wie weit ist denn unser Verhörteam mit unserem Major Kessler?”

Der Söldnerkommandant saugte an seiner Unterlippe: “Ich fürchte, die müssen bald die Samthandschuhe ausziehen.”

“Samthandschuhe ist gut.” Steuben schmunzelte. Dann wandte er sich an seinen Stellvertreter. “George, um zwohundert p.m. werden wir die erste Besprechung abhalten. Sie werden mal zusehen, was wir an Panzern und Infanterie haben können. Ich werde mich mit dem ND zusammensetzen.” Etwas nachdenklich kaute er noch auf einem Bissen Pfannkuchen herum. “Steele, Sie sorgen für Feldausrüstung. Zelte, Rationen, Handwaffen etc.”

“Aye Sir.” Die Kompaniechefin wollte schon aufstehen.

“Sie sind schon fertig?” Wollte Garibaldi wissen. “Sie werden wohl einige Tage nur noch von Feldrationen leben.”

“Das ist vollkommen in Ordnung Sir.”

Major Richard Kessler hockte seit einigen Tagen, er wusste nicht mehr wie lange, mit verbundenen Augen in einem feuchten Keller.

Die Hände waren auf dem Rücken gefesselt, die Fesseln waren an seinen eigenen Gürtel befestigt. Seine Beine an ein Rohr gekettet, so das er auf den Knien sitzen musste.

Unregelmäßig war er von zwei Wachen gefüttert worden, ohne das man auch nur ein Wort zu ihm sagte.

Nun öffnete sich seine Zellentür und wieder waren die Schritte zweier Personen zu hören.

Seine Fußfesseln wurden gelöst und die beiden Wachen halfen ihm auf die Beine.

“Wohin werde ich gebraucht?”

Sie schwiegen und führten ihn zur Zelle hinaus.

All seine Fragen blieben unbeantwortet.

Der Weg den sie zurücklegten konnte er nicht zurückverfolgen.

Am Ziel, wo immer das auch war, wurde er auf einen Stuhl gesetzt und an diesen fest gekettet. Dann wurde er samt Stuhl an einen Tisch geschoben.

Dann erklang das Geklapper von Besteck. Jemand, den er wegen seiner Augenbinde nicht sehen konnte, saß ihm gegenüber und aß.

“Was wollen Sie von mir, ich bin Kriegsgefangener, ich habe ein Anrecht auf Behandlung nach den gültigen Kriegskonventionen.”

“Nun Gefangener”, sagte sein Gegenüber zwischen zwei Bissen, “ob und wann Sie die Anrechte auf eine Behandlung nach den Konventionen erhalten hängt ganz von Ihnen ab.”

“Richard Kessler, Major, Harbin’s Rangers Mercenarie Force, Dienstnummer 2701KR22.”

Die Essgeräusche begannen wieder.

Sein Gegenüber aß noch eine ganze Weile, dann hörte Kessler, wie das Besteck auf den Teller gelegt und dieser etwas beiseite geschoben wurde.

Sein Stuhl wurde etwas vom Tisch gezogen, dann machte sich einer seiner Bewacher an seiner Hose zu schaffen.

“HEY! WAS SOLL DAS?”

Ihm wurden Hose und Unterhose heruntergezogen.

“Ich bin Kriegsgefangener, sind Sie wahnsinnig? Ich habe ein Anrecht auf Behandlung nach den Kriegskonventionen!”

“Gefangener!” Donnerte die Stimme des Verhörmeisters. “Sie werden mir augenblicklich die Codewörter, Einsatzkanäle und Ausweichfrequenzen mitteilen, dazu die Zusammensetzung der nicht an den Gefechten beteiligten Einheiten der Rangers. Ferner will ich Planungen über einen Untergrundkrieg, Aufmarsch- und Rückzugsgebiete, eventuell bereitstehende Munitionsdepots und wahrscheinliche Camps.”

Der Major der Rangers hatte die letzten Sätze des feindlichen Offiziers nicht mitbekommen, da seine Gefängniswärter ihm Krokodilklammern an den Genitalien anbrachten.

“Richard Kessler, Major, Harbin’s Rangers Mercenarie Force, Dienstnummer 2701KR22.” Seine Stimme überschlug sich fasst.

Eine Autobatterie zischte und Kessler erhielt seine erste Stromladung.

Villa Hermoza

San Martin

Die Bewohner der kleinen Ortschaft hatten nicht schlecht gestaunt, als die zwei Mechkompanien des Freicorps Garibaldi zusammen mit Panzern und Infanterie in die kleine Ortschaft eingerückt waren.

Der Bürgermeister stand eingeschüchtert vor Steuben und plapperte in einem Kauderwelsch aus Russisch und Mandarin auf ihn ein.

Der Major der über seinen Overall noch eine Splitterschutzweste trug fühlte sich klatschnass. Ihm rann der Schweiß in Sturzbächen herunter.

Ein junger Corporal der Infanterie versuchte zu übersetzen. Doch trotz capellanischer Herkunft hatte auch dieser seine Probleme mit der Mundart des alten Mannes.

“Also ich glaube er sagt, dass ein Scouttrupp der Rangers auf einer Ranch vierzig Kilometer südlich gesichtet worden ist, vor vier oder fünf Tagen.”

“So glauben Sie Marek?” Steuben wandte sich ab und sein Blick viel auf fünf Kinder zwischen elf und fünfzehn Jahren, die ihn und seinen Mech, welchen er direkt vor dem Rathaus geparkt hatte, anstarrten.

Er ging auf sie zu und der Bürgermeister verstummte. Marek nahm einen flehenden Blick des alten Mannes wahr. Der Junge Infanterist biss sich auf die Unterlippe.

“Na Ihr? Spricht einer von Euch englisch? Oder deutsch?” Fragte Steuben und lächelte fröhlich. Viele die ihn schon länger kannten, inklusive Colonel Garibaldi hatte der New Capetowner schon damit überrascht, dass er sehr gut mit Kindern konnte. Was daran liegen konnte, dass er selbst als jugendlicher ein unausstehlicher Rotzlöffel gewesen war und solche sozial wichtigen Unternehmungen wie das einschmeißen von Scheiben immer an vorderster Front betrieben hatte.

Oder das er in dem Haifischbecken von vier älteren Brüdern aufgewachsen war und jeden jüngeren als Verbündeten angesehen hatte.

Ein Mädchen nickte mit dem Kopf: “Natürlich können wir englisch.”

“Ich kann auch deutsch!” Behauptete der kleinste Junge stolz.

“Sehr gut.” Steuben zerzauste ihm die Haare. “Aber sagt mal, der Bürgermeister erzählt von einigen Fremden, die sich auf einer Ranch weit Südlich herumtreiben sollen.”

“Neee”, machte der Junge, dem er eben die Haare zerzaust hatte, “da treiben sich Leute auf der Brighton Ranch herum.”

“Ach?” Steuben blickte kurz zum Bürgermeister, der jetzt bleich wurde. “Und wo ist die Brighton Ranch?”

Das älteste Mädchen deutete die Straße herunter: “Etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt, an der Kreuzung rechts.”

“Danke, vielen Dank.” Der Major winkte einen anderen Infanteristen heran. “Sehen Sie mal beim Nachschub nach, ob wir etwas Schokolade erübrigen können.”

“Aye, aye Sir.”

Steuben trat wieder zum Bürgermeister: “Corporal, übersetzen Sie bitte: Warum hat er uns angelogen.”

“Er brauch nicht zu übersetzen.” Antwortete der Bürgermeister in gebrochenem Englisch. “Ich will keinen Krieg in dieser Stadt.”

Er packte den alten am Kragen: “Täusch mich nie wieder!”

Der Bürgermeister nickte. Es waren nicht die Worte oder das Gebaren des Majors, was ihn einschüchterte, es war der eiskalte, seelenlose Blick.

Dann sprach Steuben den Corporal an: “Marek, wir schlagen unser Hauptquartier im Saloon auf. Besprechung mit den Kompanieführern in dreißig Minuten. Captain Falk soll einen Sicherheitskordon aufstellen.”

“Aye, aye Sir.” Wie im Feld üblich verzichteten die Infanteristen auf jegwelchen Salut.

Der Major verließ den Bürgersteig und ging in Richtung Saloon. Er war keine fünf Schritte gegangen da drehte er sich zum Bürgermeister um: “Sie kommen mit.”

Mit hängenden Schultern folgte ihm der alte Mann.

Im Saloon hatten schon einige von Steubens Stabsoffizieren Quartier bezogen.

“Ich habe vom Wirt eine aktuelle Karte der Gegend erhalten Sir.” Captain McKenzie deutete auf mehrere zusammengestellte Tische.

“Okay, Bürgermeister wo genau ist die Brighton Ranch?”

Der alte Mann zeigte ihm die Position auf der Karte.

Nach und nach trudelten die vier Kompanieführer ein.

“So Herrschaften: Wie unser werter Herr Bürgermeister mir dann doch nach einigem Herumdrucksen erzählt, dass die Rangers sich hier in der Gegend herumtreiben.” Steuben grinste und zog einen Kreis um die Brighton Ranch. “Ich möchte, dass die Ranch Untersucht wird. Etwas Infanterie sollte normalerweise reichen, doch der ND meint, dass dies hier tatsächlich das Gebiet ist, in das sich die Rangers zurückgezogen haben und von dem sie mit den anderen Söldnertruppen einen Gegenschlag oder Partisanenkrieg führen werden.

Steele, Sie werden eine Mechlanze zur Unterstützung abstellen, damit unsere Leute da draußen nicht ungedeckt sind. Aber halten Sie sich zurück, die Infanterie wird die Bevölkerung schon genug in Aufruhr versetzen.”

“Aye Sir.” Antwortete die Clanerin. “Ich werde das selbst mit meiner Kommandolanze übernehmen.”

“Gut. Captain Snyder, Sie werden Ihre Infanterie einweisen. Ich möchte Checkpoints an der Hauptstraße und dem Stadtzentrum. Ich möchte zwar so wenig bedrohliches Auftreten wie möglich, aber Ihre Leute sollen kein persönliches Risiko eingehen.”

Snyder nickte und machte sich Notizen.

“Wir werden von hier aus weiter ins Gebirge vordringen, wo die Konzerne ihre Minen haben und ein Großteil der übrigen Söldnertruppen stehen. Colonel Garibaldi hat sie schon mehrfach zur Kapitulation aufgefordert. Bisher keine Reaktion.

Es ist davon auszugehen, dass sie von ihren Dienstherren den Auftrag erhalten haben zu kämpfen. Man will wohl eine möglichst gute Verhandlungsposition mit dem neuen Marquis haben.”

“Könnte es nicht möglich sein, dass die Lyranischen Konsortien nicht Verstärkung schicken um uns wieder an die Frische Luft zu setzen?” Wollte Captain Josephine Nashsmith, Kommandantin der Panzerkompanie.

Steuben setzte sich hin und lehnte sich in den Stuhl zurück: “Das ist zwar durchaus möglich, doch der Colonel glaubt nicht daran. Dennoch wollen wir so schnell wie möglich hier aufräumen.”

Seine Offiziere wirkten entschlossen.

“Na dann weggetreten.”

Vor dem Haupthaus der Brighton Ranch kamen zwei Jeeps zum Stehen. Der Flecktarn war für Wüstengegenden ausgelegt. Die acht Infanteristen des Freicorps, die den beiden Fahrzeugen entstiegen, hatten TK-Sturmgewehre und Imperator Maschinenpistolen im Anschlag.

Vier Mann schwärmten auf dem Gelände aus und vier gingen die Veranda hinauf.

Alle diese Soldaten waren in schwere Flakwesten eingepackt.

Die Tür wurde aufgestoßen und sich gegenseitig sichernd drangen die Söldner ein.

“Was wollen Sie?” Eine schlanke Frau trat ihm entgegen.

Der Führende Söldner legte sofort auf sie an: “Hände hinter dem Kopf.”

Zögerlich kam die Frau der Aufforderung nach und trat langsam in die Küche zurück. Dort stand ein Bär von einem Mann über ein paar Töpfe gebeugt.

Die beiden hinteren Infanteristen des Freicorps blickten sich gegenseitig an. Irgendetwas war falsch an dem Bild was sich ergab.

“Wir suchen Angehörige von Harbins Ranger’s, wir haben gehört, dass sich einige vor nicht allzu langer zeit hier bei Ihnen eingenistet hatten.” Der Corporal und ein weibliches Mitglied des Trupps traten in die Küche und auseinander, damit beide freies Schussfeld hatten.

“Ja.” Antwortete die Frau. “Ein Aufklärungstrupp war tatsächlich hier. Sie erbaten Gastrecht und haben was zu essen bekommen. Sind dann aber weiter gezogen.”

“Aha”, machte der Corporal. “Wo sind denn die Kinder?”

Die beiden Farmer warfen sich einen Blick zu.

Erkenntnis.

Die vermeintliche Farmerin schlug der ‘Infanteristin das Sturmgewehr beiseite und ging in die Knie. Sie holte unter einer Sitzbank ein Vibromesser hervor.

Mit tödlichem Summen durchschnitt das Vibromesser durch den schweren Kampfstiefel und durch den Knöchel der Infanteristin des Freicorps.

Der Corpora drehte sich zu den beiden Frauen um und legte seine MP an.

Der Hüne war schneller als man glauben konnte und war bei dem Corporal, packte diesen am Helm und riss ihm den Kopf um.

Während der Freicorpsler mit angebrochenem Genick zusammenklappte nahm der andere dessen Maschinenpistole ab und Schoss durch die Tür in den Flur.

Die Infanteristin ging Schreiend zu Boden und hielt sich den Stumpf ihres Knöchels.

Ein schneller Streich mit dem Vibromesser enthauptete sie.

Die beiden Rangers, die sich als Farmerehepaar ausgegeben hatten, hatten Jace Mallory’s Buch ‘Partisanenkrieg und all seine kleinen Schweinereien’ gelesen.

Der Kopf der Freicorpslerin wurde durch die Tür zum Flur geworfen, den anderen beiden Infanteristen vor die Beine.

Jace Mallory, der wie König Zufall es wollte vor einem halben Jahr unter dem Namen Jacob Maroney beim Freicorps angeheuert hatte, hob eine Augenbraue als der Kopf an ihm vorbeikullerte und er zog eine Phosphorgranate hervor.

“Hey, Gallaghar ist immer noch da drin.” Raunte sein Kamerad.

“Ja, und er wird sterben, aber die beiden werden ihm Gesellschaft leisten.” Er küsste die Granate als eine Art Autogram und ließ den Ring abspringen, zählte bis drei und warf die Granate. Sein Partner war schon auf den Beinen und sprintete zur Tür.

In der Küche röhrte die Imperator und auf Oberkörperhöhe wurde die dünne Sperrholzwand durchschlagen.

Mallory robbte zur Tür.

Die Phosphorgranate explodierte. Die Küche ging in Flammen auf.

Auf dem Vorhof der Ranch brach die Hölle los.

Aus einer vorbereiteten Stellung fuhr ein Patton und eröffnete sofort das Feuer auf die Apocalypso World Rover des Freicorps. Innerhalb weniger Sekunden waren die beiden Geländewagen nur noch brennende Trümmer.

Der Sergeant der Gruppe, die vor dem Farmhaus gewartet hatten brüllte noch ein HINTERHALT ins Funkgerät, dann entschied er sich wie seine Männer für die bessere Hälfte der Tapferkeit und schlug sich in die Büsche.

In diesem Augenblick erhob sich ein Penetrator auf Flammenzungen hinter einer Anhöhe und schwebte auf dem Farmhof ein.

Die in den Armen montierten schweren Extremreichweitenlaser strichen über die Seitenpanzerung des Patton.

Der Schwere Kettenpanzer wendete und zeigte dem Mech seine Frontpanzerung und erwiderte das Feuer.

Neben dem Pennetrator landete ein von der Zeit gezeichneter Victor.

Die anderen beiden Mechs von Marisha Steels Befehlslanze flankierten die Farm.

Die beiden Angriffsmechs des Freicorps wären der schere Tod für den Patton geesen, hätten sich nicht weitere Panzer in den Kampf eingeschaltet.

Durch die größte Scheune brach ein überschwerer Allakon MK VI Panzer.

Drei Gausskugeln schlugen in die Front des Penetrators ein. Wie von der Faust Gottes getroffen kippte Steels Mech hinten über.

“Black Hat eins-eins-drei für Black Hat eins-eins-sechs ich zähle Mech- und Panzersignaturen, die sich von Norden nähern.” Meldete sich Cliff Ager, der Pilot des Derwisch, der die Farm von rechts flankierte.

“Hier Black Hat eins-eins-vier, bin unter schwerem Beschuss! Ich brauche Hilfe!”

Steele wuchtete ihren Pennetrator wieder auf die Beine und Feuerte erneut auf den Patton, zu dem sich noch ein Mantrikor gesellt hatte.

Der Victor hatte sich zwischen sie und den Alarcorn geschoben und tauschte mit diesem Breitseiten aus. Einer der seltenen Fälle, in denen der Mech dem Panzer unterlegen war.

Eine Salve aus Sechs Impulslasern bohrte sich in den Patton. Dunkles Öl quoll aus dem Panzer. Zufrieden sah Steele, wie die Crew den Panzer verließ.

“Black Hat eins-eins-sechs an alle; Rückzug! Alle Mann Rückzug einleiten!”

Aus den Augenwinkeln bekam sie mit, wie die komprimierte Dreihundertsechzig-Grad-Sicht ihr zeigte, dass der Derwischpilot aus seiner zerschossenen Maschine ausstieg und drei gegnerische Mechs auf die Farm vorrückten. Alle am Hinterhalt beteiligten Maschinen trugen den dämonischen Engel der Chevallier de Vernier.

Der Alacorn ließ vom flüchtenden Victor ab und feuerte wieder auf sie. Zwei der drei Nicklineisenkugeln zertrümmerten Panzerung im Torso des Penetrators.

Eine schlug sogar durch die Torsomitte.

Eine Rückkopplung über den Neurohelm sagte ihr, dass das Gyro des Mechs beschädigt worden war. Durch pure Willenskraft hielt sie den Mech aufrecht. Ihr Gegenfeuer ging jedoch fehl.

Klare Wut breitete sich in ihr aus. Im Nahkampf mit zwei Stravag-Panzern und drei Mechs die sich jetzt ebenfalls in Angriffsentfernung befanden. Sie machte zwei Schritte vorwärts und feuerte erneut auf den Alacorn.

Der überschwere Panzer absorbierte den Schaden, als wäre nichts. Seine Antwort war jedoch vernichtend.

Das rechte Hüftgelenk von Steeles’ Mech versteifte sich, als eine Gauskugel die Beinpanzerung durchschlug.

Der Penetrator neigte sich wieder der Erde zu. Marisha Steele wurde hart in die Gurte geschleudert, bevor sie in die Dunkelheit eintauchte.

Captain Roger Vernier kletterte aus seinem Black Knight und ließ sich ein Funkgerät geben. Zwei Hoover mit Infanteristen der Garde des mittlerweile verstorbenen Marquis fuhren auf den Hof der Brighton Ranch.

Ein Sergeant-Major trat vor Vernier und salutierte andeutungsweise.

“Sammeln Sie bitte alle Gegangenen ein, derer Sie habhaft werden.” Vernier blickte sich skeptisch um. “Wir sollten uns schnellstens zurückziehen, bevor das Freicorps mit Verstärkung zurückkommt.”

Der Unteroffizier blickte betroffen auf die vor sich hin lodernden Farm.

Der Kommandant der Chevaliers wusste genau was in dem San Martino vorging, aber er konnte nichts tun.

“Los, an die Arbeit.”

Die Gardeinfanteristen schwärmten aus.

Auf Vernier trat sein Panzerkommandant zu.

“Also John, wie steht es um den Patton?”

“Totalverlust Boss. Und ein Heckenschütze hat drei der Crewmitglieder erschossen, als sie aus dem Panzer geflüchtet sind.”

Der Söldnerkommandant verzog das Gesicht: “Und der Idiot hat eben vor mir salutiert.”

“Sind halt Amateure.” Erwiderte der andere Chevalier.

Sie zogen sich in den Schatten des Mechs zurück. Vernier blickte sich unsicher um.

Ein Schuss krachte.

Der Gewehrkugel wurde als Querschläger von der Beinpanzerung des Black Knight abgeleitet.

“Heckenschütze!” Schrie Vernier und zog seine Sunbeam Laserpistole, nachdem er sich hingeworfen hatte.

Gardisten und Chevaliers gingen in Deckung.

Ein weiterer Schuss peitschte.

Dann kehrte Ruhe ein. Einige Minuten warteten die Söldner und die Garde des ehemaligen Marquis ab, dann pirschten sie sich vorsichtig vor.

Der Heckenschütze hatte sich wohl abgesetzt.

“Wir haben hier eine überlebende gefunden!” Zwei Infanteristen zogen die immer noch bewusstlose Steele aus dem liegenden Penetrator.

“Gut dann ziehen wir uns zurücken.” Entschied Vernier.

Und gerade als die Gardisten die bewusstlose Captain in einen APC verfrachten wollten meldete sich der Heckenschütze wieder zu Wort.

Ein Gardist der neben dem APC stand brach mit Kopfschuss zusammen.

Die anderen sanmartinesischen Soldaten sahen zu, dass sie in den Truppentransporter kamen.

Söldner und Garde zogen sich zurück.

Als später die Feuer- und die Scoutlanze der Deltakompanie des Freicorps auf der Ranch ankamen, war diese bis auf die Grundmauern heruntergebrannt.

Vor den Trümmern saßen drei Infanteristen des Freicorps.

Jace Mallory schwenkte sein TK Sturmgewehr.

Leftenant Reimer Jung, Steeles’ Stellvertreter hielt seine Truppe zusammen und erstattete Steuben über Funk Bericht: “Die überlebenden melden, dass der Feind Captain Steel gefangen genommen hat.”

“Und der Derwischpilot?”

“Corporal Ager ist tot. Er hing mit gebrochenem Genick im Baum.”

Steuben schnaufte: “Wie ist der Zustand unserer beiden Maschinen?”

“Vom Derwisch sind wie es aussieht nur noch Überreste übrig. Der Penetrator sieht noch recht intakt aus, obwohl der wohl auch ne gute Figur als Schweizer Käse machen würde. Außerdem haben die Schweine ein paar Granaten in die Kanzel geworfen, nachdem sie Captain Steel daraus gezogen haben.”

“In Ordnung. Ich werde Ihnen ein Bergungskommando schicken. Anschließend kommen Sie zur Basis zurück Leftenant.”

“Aber Sir.” Protestierte Jung. “Wir müssen sie verfolgten. Sie haben den Captain.”

“Ich werde Sie nicht in eine Falle stolpern lassen Leftenant. Kehren Sie nach Abschluss der Bergungsarbeiten zur Basis zurück.”

“Aye Sir.” Jung schaltete die Komverbindung ab und schlug auf die Konsole seinem achtzig Tonnen schweren Salamander. “Scheiße.”

Der Leftenant saugte an seiner Unterlippe. Er respektierte Steuben als Bataillionsführer und als Mechkrieger. Menschlich stand der Major jedoch auf einem anderen Blatt.

Und auch wenn Jung zu Beginn seine Vorbehalte gegen die Clanerin, doch in den letzten zwei Jahren hatte er sie, aufgrund der von ihr gezeigten Fähigkeiten, als Kommandantin schätzen gelernt.

Er war nicht bereit hinzunehmen, dass die Kompanie und vor allem Captain Steel nun unter Steubens Vorbehalten litt.

Felix Steuben hörte sich in Villa Hermosa den Bericht der überlebenden Infanteristen an.

Dabei starrte er aus dem Fenster des Saloons und regte sich kaum.

Ein Mech, der Derwisch, war als Totalverlust anzusehen. Der Penetrator musste quasi von Grund auf Wiederhergestellt werden. Der Victor war auch nur noch eine wandelnde Ruine.

Was hatte er dafür auf der Habenseite? Ein zerstörter Patton, eine abgefackelte Ranch und eine Hand voll getöteter Infanteristen.

An einem Tisch im provisorischen Hauptquartier der Expeditionstruppe des Freicorps waren mehrere Offiziere beschäftigt den An- und Abmarschweg der feindlichen Truppen zur Brighton Ranch zu extrapolieren.

“Danke für Ihren Bericht Gentlemen.” Entließ der Major die Infanteristen. Als diese weggetreten waren wandte sich Steuben an Jung. “Gibt es irgendwelche Hinweise zum Verbleib von der Brighton-Familie?”

“Nein Sir. Das Haus war ja auch bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Maroney hat wirklich gute Arbeit geleistet mit seiner Phosphorgranate geleistet.” Jung klang rechtschaffend verärgert.

“Wann werden wir die Verfolgung aufnehmen? Ich meine wir können doch nicht einfach zulassen, dass man einen Geruillakrieg gegen uns führt.”

“Ich habe einmal voreilig Truppen da hinausgeschickt, mit bekannten Ergebnis. Sobald unser Feldflugplatz fertig ist und wir unsere Luftaufklärung haben, werden wir mit unserer eigentlichen offensiven Operation beginnen, nicht vorher.”

Das Feldlager der Chevalier de Vernier war voller Betriebsamkeit.

Mechs und Panzer wurden repariert so gut es die bescheidenen Möglichkeiten der Basis hergaben und aufmunitioniert.

Die Führungsoffiziere der alliierten Söldnertruppen hatten sich in Captain Verniers Zelt versammelt.

“Das war schon mal ein guter Anfang.” Captain Alice Hansons von Harbins Rangers kreuzte die Arme vor der Brust. “Aber wie wollen sie mit der Gefangenen verfahren? Ich meine, großartig Gefangenenlager können wir uns wohl nicht leisten.”

“Nun, wir haben die junge Dame nur eingesammelt, weil es sich bei dem Pennetrator um einen Kommandomech von Garibaldis zwoten Bataillions handelt.” Antwortete Vernier. “Unseren nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zufolge handelt es sich bei unserer Gefangenen um Captaine Marisha Steele, eigentlich Marisha vom Clan Steele Viper. Nach guter alter Clansitte haben wir ihr sie als Leibeigene genommen. Wenn sie also wieder auf dem Damm ist, werden wir alle Informationen bekommen, die wir brauchen.”

“Als Leibeigene?” Alex Harbin stieß sich vom Zeltposten ab. “Und Sie glauben, die wird Ihnen alles Verraten, was Sie wissen wollen? Weil Sie sie zur Sklavin gemacht haben?”

Vernier schüttelte den Kopf: “Marisha ist keine Sklavin. Die Leibeigenschaft ist eine Clansitte. Einen hervorragender aber besiegter Feind wird in den eigenen Clan aufgenommen. Er erhält die Chance sich vom Tech hochzudienen, bis in die Reihen der Krieger. Dafür muss er soviel ich weiß drei Prüfungen bestehen.” Vernier zeigte seine eigene Leibeigenenkordel am Handgelenk. “Hätte man nach der Schlacht von Tukkayyid keinen Gefangenenaustausch vereinbart, wäre ich jetzt wohl ein Jadefalke.”

Harbin richtete den Zeigefinger auf Vernier: “O.k. sie bekommen Ihre Chance. Wenn das nicht klappt, habe ich da noch die ein oder andere Idee, wie wir an unsere Informationen heran kommen.”

Es klang wie eine unheilvolle Prophezeiung.

Fortsetzung hier.

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