How To: Kickstarter

Zuletzt aktualisiert am 15. Januar 2023 von DarkISI

Nachdem der nächste Battletech Kickstarter (Mercenaries) ja nun sehr bald ins Haus steht und nicht alle schon beim Clan Invasion Kickstarter dabei waren, wird es Zeit, ein kleines How To zu veröffentlichen. Wer sich mit Kickstarter schon auskennt, kann den Artikel also getrost überspringen, oder ihn lesen und in den Kommentaren gerne weitere Anmerkungen hinterlassen, falls ich etwas vergessen haben sollte oder ihr meint, das ließe sich besser erklären.

Kickstarter ist wie eine Vorbestellung

Jein. Wenn ein Kickstarter gut läuft, dann unterscheidet es sich kaum von einer etwas ungewöhnlichen Vorbestellung. Zuerst einmal wähle ich im Kickstarter selbst noch keinerlei Produkte aus. Ich entscheide mich für ein Backerlevel und kann dann dabei bleiben und die Kampagne bis zum Ende abwarten oder ich entscheide mehr Geld zu geben und schmeiße noch etwas dazu oder erhöhe mein Backerlevel.

Was genau ich bekomme steht zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fest. Allein schon durch Stretch Goals kann sich das, was ich ausgewählt habe, sogar noch erweitern. Vielleicht kann ich später im Pledge Manager noch verschiedene Details auswählen … Da passiert noch viel.

Und theoretisch, bei Catalyst und Battletech wird das nicht passieren, keine Bange, kann das ganze Projekt trotz erfolgreichem Kickstarter sogar scheitern und mein Geld ist weg, ohne dass ich irgendwas bekomme. Wie gesagt, wird hier nicht passieren, aber zur Verdeutlichung der Unterschiede. Gewährleistungsrechte wie bei einem Ladenkauf gibt es nicht. Ob das so ganz legal ist, ist noch nicht ausgeurteilt. Juristisch gesehen kann man das aber tatsächlich anstandslos argumentieren, denn Kickstarter ist eben keine Vorbestellung und kein Einkauf, sondern eine Anschubfinanzierung.

Kickstarter bedeuten, der Hersteller hat kein Vertrauen in sein Produkt

Nein!

Ein Kickstarter hat für Hersteller mehrere Vorteile, sagt aber erstmal rein gar nichts über das Vertrauen in das Produkt aus.

Zum einen ist ein Kickstarter ein unsagbar gutes Marketingtool. Battletech wäre niemals da, wo es heute ist, wenn Catalyst keinen Clan Invasion Kickstarter gemacht, sondern die Box und Force Packs einfach so auf den Markt gebracht hätte. Ein gut laufender Kickstarter zieht Aufmerksamkeit und wird, ab einem gewissen Punkt, zu einem Selbstläufer. Das heißt, es kommen immer mehr Leute, die sonst nie auf Battletech aufmerksam geworden wären, weil der Erfolg klar zu sehen ist. 2,5 Millionen hätte Catalyst nie im Leben mal eben so umgesetzt, außer eben über Kickstarter. Und dann kam ja nochmal der gleiche Betrag im Pledge Manager dazu.

Zum anderen ist ein Kickstarter wie ein zinsloser Kredit. Der Hersteller bekommt eine Anschubfinanzierung, kann damit Produkte herstellen und muss das Geld am Ende nicht zurückzahlen. Zwar nimmt Kickstarter einen Anteil, aber rechnerisch ist das immer noch bei weitem besser als ein Kredit bei einer Bank, der vielleicht gerade für ein kleines Unternehmen schwer zu bekommen ist. Und Battletech war vor dem letzten Kickstarter eben keine große Marke. Das gleiche gilt für neue Firmen am Spielemarkt, die hätten ohne Kickstarter Probleme, weil sie nicht so einfach das Geld bekommen würden, um ihre oftmals sehr kreativen Ideen umzusetzen. Banken scheuen das Risiko, während Spielefans das gerne einmal eingehen, wenn sie das Gefühl haben, ein gutes Spiel zu bekommen.

Was sind Stretch Goals?

Als Stretch Goals bezeichnet man Meilensteine, die der Hersteller in der Kampagne festlegt. Bei jedem erreichten Meilenstein (im Regelfall Finanzierungsbeträge, aber es gibt teilweise auch Social Media basierte Stretch Goals) wird etwas für die Kampagne freigeschaltet. Das kann eine kostenlose Dreingabe für bestimmte Backerlevel sein, aber auch mehr Produkte, die ihr später im Pledge Manager kaufen könnt, Veredelung für ein Gimmick (beispielsweise wurde im Clan Invasion Kickstarter die Größe der Pins erhöht) und und und. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Stretch Goals dienen vor allem als Anreiz, mehr zur Kampagne beizutragen und erfüllen diesen Zweck überaus gut.

Wie und wann bezahle ich bei Kickstarter?

Theoretisch bietet Kickstarter die Möglichkeit an, per SEPA zu bezahlen, erlebt habe ich das aber nur ein einziges Mal. Selbst deutsche Hersteller machen das meist nicht (legal dürfte das nicht sein, aber das führt hier zu weit). Ihr benötigt also eine Kreditkarte.

Die meisten Kreditkarten funktionieren, allerdings habe ich auch schon von Problemen mit Billigkarten aus dem Kiosk gehört. Persönlich habe ich eine Prepaidkarte der Sparkasse, das läuft anstandslos.

Abgebucht wird das Geld direkt wenn die Kampagne schließt. Vorher könnt ihr also frei Geld im Kickstarter hinzufügen oder reduzieren, ohne dass eure Karte belastet wird. Sobald der Kickstarter schließt, sollte die Karte allerdings gedeckt sein. Sonst kommen Rückzahlungsgebühren auf euch zu. Stellt bei einer Prepaidkarte also sicher, dass ihr sie ein oder zwei Tage vor Kampagnenende aufgeladen habt.

Kann ich nach Ende des Kickstarters noch Geld hinzufügen?

Ja, das geht dann im Pledge Manager. Die unterstützen für gewöhnlich auch PayPal, was die Sache etwas einfacher macht.

Wo wähle ich aus, was ich bekomme und trage meine Adresse ein? (Was ist ein Pledge Manager?)

Nach Ende eines Kickstarters kommt der sogenannte Pledge Manager, dort könnt ihr dann auswählen, was genau ihr bestellt habt und ihr tragt eure Lieferadresse ein. Denkt hierbei daran, dass durchaus auch mal ein Jahr oder mehr zwischen Abschluss einer Kampagne und dem Start des Versands liegen kann. Falls ihr zwischendurch umzieht, solltet ihr also daran denken, eure Adresse zu ändern.

Vom Design her ähneln die meisten Pledge Manager einem Onlinestore, ihr solltet euch also gut zurechtfinden. Hier wird dann im Regelfall auch PayPal unterstützt, falls ihr keine eigene Kreditkarte hattet und euch vielleicht nur über einen Freund, eine Freundin oder ein Familienmitglied eingetragen habt.

Was ist mit den Versandkosten?

Die werden im Pledge Manager bezahlt, da während des Kickstarters noch gar nicht feststeht, wie hoch die am Ende sein werden. Das war vor Corona meist noch anders, aber Corona hat den internationalen Warenverkehr einmal komplett ins Chaos gestürzt und Versandkosten können seitdem massiv schwanken. Das kann dabei in beide Richtungen gehen und weder die Hersteller noch ihr wollt am Ende draufzahlen müssen. Die Versandkosten erst relativ spät anzugeben ist derzeit also leider die einzige ehrliche Möglichkeit, die es für Hersteller gibt.

Beim aktuellen Shadowun und Leviathans Kickstarter kann man den Pledge Manager daher derzeit nur unter Vorbehalt abschließen, da der Versand später hinzugefügt wird.

Ich habe den Kickstarter verpasst, was nun?

Keine Bange, der oben erwähnte Pledge Manager steht auch für Leute offen, die beim Kickstarter selbst nicht dabei waren. Ihr tragt allerdings nicht mehr zu möglichen Stretch Goals bei, da es für den Hersteller sonst unmöglich wird, die Kampagne abzuschließen und mit der Produktion zu beginnen. Das gilt auch für das Erhöhen des Beitrags im Pledge Manager. Ihr könnt dadurch mehr Artikel (für Battletech: Force Packs, Maps, etc.) wählen, schaltet aber nichts neues mehr frei.

Wie lange muss ich nach der Kampagne auf den Pledge Manager warten?

Kickstarter benötigt normalerweise etwa zwei Wochen, bis sie den kompletten Datansatz an Backern und das Geld an die Hersteller senden. Das gibt ihnen genug Zeit, selbst bei Leuten deren Karten nicht gedeckt waren, das Geld einzusammeln.

In der Zwischenzeit kann am Pledge Manager auch schon etwas Hintergrundarbeit laufen, also die Produkte und freigeschalteten Stretch Goals eingestellt werden. Sobald dann die Daten da sind, kann alles eingespielt und überprüft werden. Das kann durchaus nochmal zwei Wochen dauern. Ein Monat ist hier also, worauf ihr euch mindestens einstellen solltet.

Wann kommen meine Sachen?

Wie oben schon gesagt, kann das durchaus mal ein Jahr dauern. Je nach Ausmaß des Kickstarters vielleicht sogar länger. Der Clan Invasion Kickstarter war deshalb beispielsweise in zwei Wellen geteilt, damit der erste Schwung an Artikeln schon an die Backer rausgehen konnte, während die zweite Welle noch produziert wird.

Catalyst hat aber offenbar nicht vor, das nochmal so zu machen. Wie wir anhand von Fotos wissen, sind die Minaituren diesmal schon gerendert und die Hintergrundarbeit fertig. Sie müssen also nur noch in Produktion gehen. Das wird passieren, wenn der Pledge Manager schließt.

Ein Händler hat die Artikel vor mir!

Catalyst bietet immer auch spezielle Pledge Level für Händler an.

Die bekommen ihre Artikel dann zur gleichen Zeit zugesandt, wie alle anderen Backer auch. Da natürlich nicht alle Pakete gleichzeitig rausgehen (teilweise können auch mehrere Wochen Unterschied zwischen einzelnen Ländern/Kontinenten bestehen), kann ein Händler damit durchaus auch mal vor euch seine Artikel bekommen.

Und ja, das schließt auch Artikel ein, die exklusiv im Kickstarter zu bekommen waren und nicht in den Einzelhandel sollten. Die bekommt der Händler hinterher aber nicht mehr nach, es sind also nur kurzfristige, exklusive Angebote.



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