Das Land der roten Rosen – Teil X: Blut

“Was hatten Ihre Leute dort eigentlich gemacht?“ fragte Andrewski, dessen Ton verriet, dass er zwar kein Mitleid mit den Männern hatte, die nicht zuletzt auch zu seinem Schutz hierher verfrachtet worden und nun tot waren, ihm das Ereignis des Vortags aber weitere Angst um das eigene Überleben bereitete. Urban blickte den Wissenschaftler starr an und verwünschte diesen aus tiefstem Herzen.
“Sie haben das Gebiet dort durchforstet, auf der Suche nach Überlebenden oder weiteren Opfern“, antwortete Pschorn erstaunlich ruhig.
“Aber beantworten Sie doch bitte einmal meine Frage, Doktor Andrewski: Woran wurde hier geforscht? Sie sind Genetiker und dieser Doktor Millen sowie Ihr halbes Team ebenfalls, wie ich inzwischen erfahren habe. Ist eines Ihrer… Experimente entkommen?“ Pschorns Stimme hatte nur unwesentlich gezittert, aber Urban befürchtete, dass auch ihre Nerven blank lagen und eine falsche Antwort Andrewskis dazu führen konnte, dass sie diesem mit bloßen Händen die Gedärme herausriss. Der Wissenschaftler schluckte. „Das Land der roten Rosen – Teil X: Blut“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil IX: Spurensuche

Urban rückte sein Barett zurecht. Schon den dritten Tag in Folge war er in der prallen Sonne dabei gleichzeitig nach Indizien zu suchen, die ihm etwas über den Angriff auf die Station verrieten und auf Bassey zu achten, den ihr Auftraggeber in einem Extrembeispiel von fehlerhafter Menschenkenntnis für einen Spürhund hielt. Tatsächlich hatte der Pirat bislang keinen Versuch unternommen, zu fliehen oder jemanden anzugreifen und er hatte sie darüber hinaus sogar auch auf manche Dinge hingewiesen, die sie bei der ersten oberflächlichen Durchsuchung der Anlage übersehen hatten. Sie waren sogar gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass die erste Tat der Angreifer das Durchtrennen mehrerer Kabel an der Parabolantenne gewesen sein muss. Erst später war die große Schüssel vom Turm gekippt und am Boden weiter zerlegt worden. Für so einen Kraftakt kam nur ein Mech oder allenfalls irgendein Baufahrzeug mit Abrissgerät in Frage. Urban vermutete, dass der stationseigene Loggermech dafür benutzt worden war nachdem die Angreifer die Anlage gesichert hatten. Eine schnelle Wiederinbetriebnahme war so ausgeschlossen, es fehlte ihnen an jedewedem Gerät, die Parabolschüssel auch nur anzuheben. „Das Land der roten Rosen – Teil IX: Spurensuche“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil VIII: Forschungsstation

“87“, sagte Urban und fuhr mit der Hand über die auf dem Tisch ausgebreitete Karte.
“Wir waren in jedem Gebäude, aber noch nicht in allen Räumen, daher könnten es noch mehr werden. Nirgendwo Lebenszeichen. Wir haben außerdem alle Datenträger, alles Papier und jeden tragbaren Computer eingesammelt. Mit der Auswertung haben wir aber noch nicht begonnen“ setzte er seinen Kurzbericht fort.
“Wie erwartet wurden die Kommunikationsanlagen ausgeschaltet, wahrscheinlich waren das sogar die ersten Ziele, damit kein Notruf abgesetzt werden kann. Wie der Angriff abgelaufen ist, wissen wir noch nicht.“ Pschorn nickte. „Das Land der roten Rosen – Teil VIII: Forschungsstation“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil VII: Landung

“Fuchs klar!“
“Marder klar!“
“Wolf klar!“
“Bär klar! Durch!“ gab Urban als letzter Truppführer über Funk heraus. Das Schiff bebte als der Schub noch einmal gesteigert wurde. Kurz darauf setzten sie auf. Die Vibrationen und das Dröhnen der Triebwerke ebbten langsam ab.
“An alle: GO in zwanzig! Neunzehn! Achtzehn!“ Die versammelten und voll gerüsteten Söldner spannten sich an. Helles Tageslicht strahlte in die Ladebucht als sich die Rampe herabsenkte. Urban atmete tief ein und genoss die Frische der hereinströmenden Luft.
“Drei! Zwo! Eins! GO!“ Urban rannte los. Er und sein Trupp waren die ersten. In gerader Strecke über das Feld bis an die Baumgrenze und dort sichern. Dabei ausfächern und kein allzu leichtes Ziel für gegnerischen Beschuss bieten. Hunderte Male geübt und trotzdem immer wieder falsch durchgeführt. Ein Blick über die Schulter zeigte ihm, dass es diesmal genau so ablief wie er es wollte. Der nächste Trupp dagegen kam viel zu dicht aus dem Schiff. Thoms Trupp, der nun von Drechsler geführt wurde. „Das Land der roten Rosen – Teil VII: Landung“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil VI: Vorbereitungen

Dieses Miststück hätte auch ein wenig präziser sein können. Seltsam. An der Ratte, wie Bassey wohl von der lyranischen Polizei genannt wurde, war kaum etwas nicht seltsam. Dieser schwarze Hühne sprach kaum ein Wort und wenn er es tat, waren es Kommentare oder Antworten wie man sie von keinem ungebildeten Piraten aus der Peripherie erwarten würde. Urban dachte nach und zweifelte über seine eigenen Gedanken. Nein, eigentlich sprach kaum etwas an Bassey für eine hohe Bildung, wohl aber für einen hohen Intellekt. Vielleicht machte gerade das auch die Befremdlichkeit seiner Äußerungen aus. Sie waren klug und logisch, entsprachen aber keiner Lehrmeinung. Die Wissenschaftler an Bord waren natürlich auch helle Köpfe, aber ihr Wissen stammte aus ihrem Studium, aus Büchern und allem worüber sich die lyranischen Akademien sonst noch austauschten. Ihre individuellen Leistungen bestanden nur darin, vorhandenes neu zu kombinieren und vielleicht noch aus neuen Daten und altem Wissen ein paar neue Erkenntnisse abzuleiten. Bassey dagegen besaß den Verstand eines Raubtiers mit einem Intellekt, der sich mit jedem dieser Akademiker messen konnte. Ohne Zugang zu Bildung hatte er seine geistigen Talente offenbar dazu genutzt, sich Fähigkeiten anzueignen, die ihn zu einem unberechenbaren und vor allem gefährlichen Gegner machen würden. „Das Land der roten Rosen – Teil VI: Vorbereitungen“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil V: Sonderaufträge

Erneut erwachte Schöffen auf eine viel zu dünne Matratze festgeschnallt und ohne zu wissen, wo sich oben oder unten befanden. Neu war jedoch das Gefühl, als hätte irgendjemand das Innere seines Kopfes ausgepolstert. Er blinzelte und sah verschwommen, dass er sich in einem unangenehm hell erleuchteten Raum befand. Nach einigen Sekunden hatte er sich weit genug daran gewöhnt um zu erkennen, dass es sich nicht um seine Kabine handelte. Er drehte den Kopf und sofort stachen ihm glühende Nadeln durch die Stirn und sein Mageninhalt bahnte sich seinen Weg die Speiseröhre hinauf. Übelkeit und Schwindel überwältigten ihn und er erbrach sich mit aller Heftigkeit ohne sich dabei der Gurte entledigen zu können, die ihn an die Matratze fesselten. „Das Land der roten Rosen – Teil V: Sonderaufträge“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil IV: Blackout

Ein leichter Ruck holte Schöffen aus einem wenig erholsamen Schlaf. Die Notbeleuchtung spendete genügend Helligkeit um ihn die Uhrzeit ablesen zu lassen. Es waren doch mehr als drei Stunden gewesen. Kopfschmerzen hatten ihn dazu getrieben, zwei Tabletten zu nehmen und diese mit Wasser, das er noch immer durch einen Strohhalm saugen musste, herunterzuspülen und sich für eine Weile auf sein Bett zu schnallen. Angesichts der Zeit musste er dabei sogar den Sprung verschlafen haben. Den letzten Sprung. „Das Land der roten Rosen – Teil IV: Blackout“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil III: Kap Arkona

Auch ohne Transitdesorientierungssyndrom waren für Schöffen längere Raumreisen unerträglich. Und es würde von nun an noch schlimmer werden. Nachdem sie die Daniela, das komfortabel ausgestattete Landungsschiff der Monarch-Klasse mit dem sie die ersten drei Sprungetappen gereist waren, gegen ein uraltes Danais ausgetauscht hatten, dem Gerüche anhafteten die Schöffen bis dahin nicht gekannt hatte, mussten sie nun auch das Sprungschiff wechseln. Und im Gegensatz zu dem riesigen Star Lord hatte die Waidmann als Schiff der Merchant-Klasse kein GravDeck. „Das Land der roten Rosen – Teil III: Kap Arkona“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil II: Die Ratte

Lyranische Todeszellen besaßen wahrlich ihren eigenen Charme. Von den wenigen Menschen, die um ihre Existenz wussten, konnten dies jedoch nur jene zu schätzen wissen, die eine solche mehr als einmal verlassen durften.
Die Haftbedingungen bewirkten jedoch einen überaus hohen Grad an Kooperation der Gefangenen, wenn deren letzte Stunde geschlagen hatte. Bei dem heutigen Kandidaten hatten jedoch selbst die langjährigen Gefängniswärter Sorgen, dass es anders kommen würde. Natürlich hatten sie es hier immer mit Schwerstverbrechern zu tun. Die meisten waren Psychopathen, hatten mehrere Morde begangen, oft mit unglaublicher Brutalität. Manche waren Terroristen, die Bombenanschläge verübt hatten oder sogar Polizei und Militär direkt angegriffen haben um deren Ausrüstung zu stehlen. Doch von allen derzeitigen Insassen passte nur einer in all diese Kategorien. „Das Land der roten Rosen – Teil II: Die Ratte“ weiterlesen

Das Land der roten Rosen – Teil I: Projektbesprechung

Sagittarius. Obwohl das Sternbild mit diesem Namen ein Phänomen des terranischen Nachthimmels war und obwohl manche der Sterne in diesem Sternbild zwischen hier und Terra lagen, nannte man es auch hier den Sagittarius-Sektor. Jene Linie zwischen dem Heimatplaneten der Menschheit und dem Zentrum der Milchstraße und jeweils ein Winkel von 15 Grad zu beiden Seiten. Ein galaktisches Kuchenstück. Ganz Rasalhaag lag in diesem Sektor, doch Schöffens Blick ging weiter, über die Grenzen der Inneren Sphäre hinaus. „Das Land der roten Rosen – Teil I: Projektbesprechung“ weiterlesen