these boots are made for wading – Teil XVI: Die Gnade (letzter Teil!)

Der Paradeplatz war von allen Trümmern befreit worden. Vor allem die Sprengung des Munitionsdepots hatte deutliche Spuren hinterlassen, viele Gebäude waren noch immer einsturzgefährdet oder mussten provisorisch gestützt werden bis alles, was noch zu gebrauchen war, daraus geborgen werden konnte. Man würde den Stützpunkt fast komplett neu aufbauen müssen. Selbst Wasserrohre waren geplatzt und Stromleitungen unterbrochen. Die noch nicht vollends geräumten Bereiche sahen noch immer wie ein Schlachtfeld aus. Und dabei hatten sie all das sich selbst angetan. Der Feind war nie auf diese Kaserne zumarschiert. Sie waren nie ernsthaft bedroht worden. Aus Angst hatten sie dem Feind nur verbrannte Erde hinterlassen wollen. „these boots are made for wading – Teil XVI: Die Gnade (letzter Teil!)“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil XV: Der Feind

Der Spähtrupp unter Miguels Führung war es schließlich, der zuerst den Feind sichtete. Ein dunkelgrüner Rumpf, der zwischen den Stämmen gerade gewachsener Bäume und dem niedrigeren Unterholz zu sehen war. Das Gelände darum herum war der Albtraum eines jeden Spurenlesers. Bei Fußabdrücken die lang genug waren, um sich in diese hineinzulegen, Trümmerteilen mit der Größe und Masse eines Geländewagens und den Nachwirkungen von Waffen, die in einer Minute mitunter eine Tonne an Munition hinausjagten war nur noch wenig darüber zu erkennen, wie sich dieser Kampf genau abgespielt hatte. Einig wurden sie sich nur über die offensichtlichen Merkmale. Außer diesem riesigen stählernen Leichnam vor ihnen fanden sie noch zwei ausgebrannte Panzer. Und alle trugen den roten Stern. Zumindest hier hatten also ihre eigenen Truppen einen kleinen Sieg errungen. „these boots are made for wading – Teil XV: Der Feind“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil XIV: Der Spähtrupp

Die Nacht war kurz und wenig erholsam. Miguel hatte sich selbst die letzte Wache gegeben und war bei Sonnenaufgang geweckt werden. Nebel war aufgezogen und würde sich erst in den nächsten Stunden wieder lichten. So bedeckte ein bleiernes Leichentuch ihr ganzes Umland. Schlecht für sie, falls sich jemand anschleichen wollte. Aber es verbarg auch sie vor unerwünschten Blicken. Ein Soldat aus dem dritten Bataillon saß ein paar Schritte von ihm entfernt mit einer der Ohrmuscheln ihres Funkgeräts am Ohr. In der Hand hielt er eine dampfende Tasse Tee. Diesen kleinen Luxus konnten sie sich erlauben. Der Nebel schluckte das Licht des kleinen Kochfeuers. Miguel blickte fragend zu dem Funker herüber, doch dieser schüttelte nur den Kopf. Als er den ersten vorsichtigen Schluck nahm, knackte es jedoch und der Funker verschluckte sich beinahe. Mit ein paar schnellen Schritten war Miguel heran und nahm sich die zweite Ohrmuschel. „these boots are made for wading – Teil XIV: Der Spähtrupp“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil XIII: Die Nacht

Miguels Gedanken kreisten um den bevorstehenden Angriff. Noch nie zuvor in seinem Leben hatte er einen Angehörigen des Feindes gesehen. Jedenfalls nicht Auge in Auge sondern nur in Videos oder auf Bildern. Er erwartete auch nicht, dass sich daran in dieser Nacht etwas ändern würde. Ihre Kampfmaschinen würden über sie hinwegrollen oder sie niedertrampeln. Der Feind müsste gegen die geringe Zahl an Soldaten auf der Kaserne nicht einmal das Feuer eröffnen. Oder der Feind konnte sie aus sicherer Entfernung unter Beschuss nehmen ohne Gegenfeuer befürchten zu müssen. „these boots are made for wading – Teil XIII: Die Nacht“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil XII: Die Invasion

Das Heulen der Alarmsirene traf Miguel völlig überraschend. Er vergaß den beruhigenden Anblick des hell leuchtenden Sterns, den er eben noch genossen hatte, und rannte los. Sein Training übernahm die Kontrolle über seinen Körper. Adrenalin schoss durch seine Adern als eine Durchsage ertönte und ihm bestätigte, dass es sich nicht um eine Übung handelte. „these boots are made for wading – Teil XII: Die Invasion“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil XI: Der Stern

Er fühlte sich noch immer wie gerädert, doch war es nicht das körperliche Leiden, das ihn plagte. Er fühlte sich in seinem Innersten, seinen Gefühlen und seinen Grundfesten versehrt. Und er hatte es nicht verdient, dass man ihn noch immer mit solchem Respekt ansprach.
„Cabo!“ Er konnte sich nicht mehr schlafend stellen. Nicht, wenn sie jetzt auch noch anfingen, so laut an seine Tür zu klopfen. Aufstöhnend raffte er sich auf. Er brauchte bis zum nächsten Ruf seiner Männer bis er sich entschieden hatte, ob er die Uniformjacke anziehen sollte oder nicht. Er tat es und schritt auf die Tür zu. Wenigstens hatte ihm sein Rang ein Einzelzimmer verschafft, sodass ihn die meiste Zeit über niemand in seinem desolaten Zustand sehen konnte.
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these boots are made for wading – Teil X: Die Seebestattung

Es hätte der schönste Tag der Marineinfanterie sein können. Córdobas Stern strahlte hell und warm aus einem wolkenlosen Himmel. Die See war ruhig und friedlich. Dieses Meer, das für jeden Seefahrer Freund und Feind zugleich war. Diese See, der heute vertrauensvoll der erste tote Marineinfanterist anvertraut wurde.
Alle Rekruten hatten am Vortag und damit einen Tag nach dem verhängnisvollen Abschlussmanöver ihre Ausgehuniformen erhalten und trugen diese nun. Schwarze Hosen mit goldenen Streifen. Golden leuchteten auch die Knöpfe ihrer dunkelblauen Jacken und das Emblem auf ihren Schirmmützen. Die schwarzen Lederstiefel strahlten auf Hochglanz.
Auch waren alle Rekruten, die nicht schon zuvor in einen höheren Rang versetzt worden waren, mit dem Abschluss ihrer Ausbildung befördert worden und trugen ihre neuen Dienstgradabzeichen. Hinter ihnen standen alle Matrosen der Schiffe, die nicht an anderer Stelle benötigt wurden. Und sie alle salutierten zur See hinaus, den Blick starr zum Horizont gerichtet. Die Hoheitszeichen wehten auf Halbmast und drückten auch so die Trauer über den Verlust aus. Der erste Verlust der Marineinfanterie. Nicht verursacht durch den Feind sondern durch ein trauriges Unglück. „these boots are made for wading – Teil X: Die Seebestattung“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil IX: Der Treffer

Es wirkte ein wenig absurd, war aber aufgrund des Aufbaus des Manövers nicht anders zu handhaben. Der Kreuzer und seine Begleitschiffe entluden ihre Feuerkraft nach Steuerbord und zeitverzögert wurden auf dem Strand auf Backbord Rauchsäulen sichtbar. Daher mussten sich die wenigen Beobachter aus den Reihen der Marineinfanterie, denen die Kapitänin gestattet hatte, sich auf der Brücke aufzuhalten, entscheiden, ob sie das beeindruckende Mündungsfeuer der Kanonen, die von einem Zerstörer aus gefilmten Treffer auf den dicht bewaldeten Inseln vor der Küste oder die steigende Zahl von Rauchsäulen auf ihrem Zielstrand betrachten wollten.
Miguel war nur als Stellvertreter Aguirres der Zutritt gewährt worden, da dieser dankend abgelehnt hatte. Heimlich vermutete Miguel jedoch, dass sein direkter Vorgesetzter seekrank war und sein bleiches Gesicht lieber über einen Eimer hielt statt es hier den erfahrenen Seeleuten zu zeigen. Dabei lag der Kreuzer sehr ruhig auf dem Wasser und war kein Vergleich zu dem Landungsboot. Hier hatte Miguel keinerlei Probleme und bei seiner ersten Mahlzeit zur See auch kräftig zugelangt. Auch seinen Männern ging es in der Mehrheit wieder gut nachdem sie sich von dem Ritt über die Wellen erholt hatten. „these boots are made for wading – Teil IX: Der Treffer“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil VIII: Die Prinzessin

Dies würde ihre entscheidende Prüfung sein. Eine mehrtägige Geländeübung, die eine abermalige Reise für sie beinhaltete. Endlich brachte man sie in ihr wahres Element, ihre wahre Heimat, ihr natürliches Habitat. Und es zeigte auf, wer die Großzügigkeit besaß, seine Mahlzeiten mit allem zu teilen, das in diesen Gewässern schwamm.
Auch Miguel fand es nicht besonders angenehm, in den schaukelnden Landungsbooten zwischen den übrigen Mitgliedern seiner Einheit eingepfercht über das Meer zu fahren, aber er behielt zumindest sein Frühstück bei sich. Sicherheitshalber hatte er aber auch nur wenig zu sich genommen um es im Zweifelsfall wieder herunterschlucken zu können. Er hatte kein Interesse daran, sich vor seinen Männern zu blamieren. Seine Männer. Das klang für ihn noch immer wie ein schlechter Scherz. Aber man hatte ihm den Befehl über den ersten Zug der ersten Kompanie des ersten Bataillon der Marineinfanterie gegeben. Als Zugführer war es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Befehle Aguirres ausgeführt wurden, aber ihm stand es dabei auch zu, selbst zu entscheiden, wie dies zu geschehen hatte. Wenn der Alférez befahl, einen Bunker zu säubern, konnte Miguel seine Männer so einsetzen wie er es für richtig hielt um dieses Ziel zu erreichen. „these boots are made for wading – Teil VIII: Die Prinzessin“ weiterlesen

these boots are made for wading – Teil VII: Der Cabo

Zu Beginn seines Verhörs vor dem Offizierstribunal hatte er sich gefragt, was schlimmer sein könnte als am Galgen zu baumeln. Nun wusste er, was diese Bedingung erfüllte.
Links und rechts von ihm liefen abermals zwei Soldaten, deren Gesichter im Lexikon unter „grimmig“ und „Nussknacker“ zu finden waren. Unentwegt fragte er sich, wofür er all das hier verdient haben sollte. Der einzige Gedanke, in dem er Trost finden konnte, war, nicht der Einzige zu sein, dessen Weg zum Exerzierplatz und vor die dort aufmarschierten Bataillone ihres Regiments führte. Doch welchen Trost konnte es schon spenden, nicht als Einziger derart präsentiert zu werden?
Die Rekruten standen in perfekt ausgerichteten Linien, den Kopf gerade nach vorne gerichtet. Ihre Augen jedoch folgten jedem seiner Schritte, der ihn näher zur hölzernen Tribüne führte. Er verdammte seine eigenen Füße, denen das Marschieren eintrainiert und der Überlebenstrieb ausgetrieben wurde. Jedes vernunftbegabte Lebewesen hätte in dieser Situation sein Heil in der Flucht gesucht. „these boots are made for wading – Teil VII: Der Cabo“ weiterlesen